Maria
Ein Jazzoratorium

Programmheft mit allen Texten (pdf)

Text: Tscho Hoffmann
Musik: Jan Simowitsch

MariaEin für die Marienkirche komponiertes Stück über Maria und ihren Blick auf Jesus.

Maria: ein einfaches Mädchen, frisch verlobt – und dann kommt ein Engel und sie findet sich als Teil einer ganz großen Geschichte wieder. Geburt im Stall, Flucht, Sorge um den Sohn, der sich von seiner eigenen Familie entfernt, dem auf einmal alle Welt nachläuft und der schließlich vor den Augen der Mutter hingerichtet wird.

Lieder und Improvisationen gehen den Weg dieser Frau nach und erzählen, wie sie sich mutig auf die Geschichte einlässt, mit ihrem Sohn ringt, aber auch im Schmerz getragen wird von dem, was der Engel ihr versprach.

Im Wechselspiel zwischen Klang und Licht, Raum und Text entstehen neun Szenen, die Zeit für eigene Gedanken lassen.

Ausführende:

Gospelchor Segeberg
Segeberger Sinfonieorchester
Liza Ohm (Junge Maria)
Magdalena Steffens (Ältere Maria)
Peter Stoltenberg (Josef)
Monika Kröger (Engel)
Jutta Salzmann (Elisabeth)
Oliver Bohlen (Simeon)
Petra Staszeit (Magdalena)
Ralf Meyer (Mann im Tempel)

Jakob Rösch (Gitarren)
Daniel Schierhorn (Percussion)
Jan Simowitsch (Flügel)

Text und Dramaturgie: Tscho Hoffmann
Musik: Jan Simowitsch
Dirigent: Andreas Maurer-Büntjen
Lichtdesign: Frank Golchert
Bühnenbild: Marienkirche Segeberg

Live-Technik:
Frank Golchert

Programmheft: Johannes Hoffmann
Titelbild: Elke Hoffmann

Die Uraufführung war am Sa 24. Januar 2009 in der Marienkirche Bad Segeberg.

Text
Johannes Hoffmann
Johannes Hoffmann

Die Maria, die ich mit dem Text suche, ist nicht die Maria der Altäre, sondern das Mädchen aus dem Volk, das auf einmal in eine ganz große Geschichte hineingezogen wird. Wie geht es einer Mutter mit so einem Sohn wie Jesus? Der sich schon als Jugendlicher nicht um die Sorgen seiner Eltern schert, dann als Erwachsener seine Anhänger und Anhängerinnen zur neuen Familie erklärt und schließlich vor den Augen der Mutter hingerichtet wird.

Es ist ein anderer Blick, als der, den die nachfolgenden Generationen auf Jesus geworfen haben. Deswegen haben Jan und ich uns im Entstehungsprozess bald dafür entschieden, Jesus selbst nicht auftreten zu lassen. Es geht um Maria und ihre Sicht – der wir uns freilich nur annähern können. Maria hat kein Tagebuch geführt und spielt in der Bibel, außer bei den Kindheitsgeschichten Jesu, kaum eine Rolle.

Vor mir haben die biblischen Autoren Bilder von Maria gezeichnet. Ich nehme ihre Deutungen auf und führe sie weiter. Maria – eine einfache Frau, die erschrickt und erst einmal nachfragt, als der Engel in ihrem Zimmer steht, ehe sie selbstbewusst zustimmt und dann mit dem Magnificat zur ersten Theologin der christlichen Geschichte wird. Dieses Lied der Maria wird zum Motiv, das sich – auch mit seiner politischen Bedeutung – durch das Stück zieht: »Die Mächtigen stürzt er von ihren Thronen, er will bei den Kleinen und Schwachen wohnen.«

Meine persönliche Neuentdeckung während der Arbeit am Stück war der letzte Satz der Prophezeiung des Simeon. Obwohl ich den Anfang auswendig kann, war mir das Ende, als hätte ich es noch nie gelesen. Erst als der große Bogen des Stücks stand und mir bewusst wurde, wie sehr Maria an ihrem Sohn gelitten haben muss, entdeckte ich, dass der Evangelist Lukas das auch so empfunden hat: Er lässt den alten Simeon schon bald nach Jesu Geburt Marias Leidensgeschichte vorwegnehmen: »Doch du Maria, wirst von Kummer durchbohrt, wie mit einem Dolch in Sorge um deinen Sohn.«

Das Stück schlägt die Brücke von einer Frau, die von Christentum und 2000 Jahren kirchlicher Tradition noch nichts wusste, zu Menschen unserer Zeit, die von all dem oft nichts mehr wissen, sich aber vielleicht im Blick dieser Frau wiederfinden, in ihrem Schmerz und ihrem Zweifel, aber auch in der Hoffnung, dass Gott wusste, was er tat, als er den Engel schickte.

Musik
Jan Simowitsch
Jan Simowitsch

Maria – noch einmal.
Einfach wiederholen und dann läuft es? Nein, darauf hätte ich wirklich keine Lust gehabt. Wenn ich die Chance habe, dieses große und aufwendige Werk noch einmal bei stimmungsvoll beleuchteter Kirche aufführen zu können, dann auch richtig. Alles darf neu gedacht werden. Lediglich die Basis bleibt.

Dieses Mal wird vieles jazziger interpretiert. Das mittlerweile deutlich vergrößerte Orchester gewinnt durch die dazukommenden Holzbläser. Mein Kollege Andreas Maurer-Büntjen bringt sein fachliches Können ein. Manche Chorsätze und Liedstrukturen wurden verbessert. Und durch die Arbeit an der CD mussten sämtliche MusikerInnen frühzeitig all ihre Passagen auf einem höchsten Niveau können.

Und nun freue ich mich, noch einmal diese »Maria« in der Segeberger Marienkirche aufzuführen.

Dirigent
Andreas Maurer-Büntjen

Im achten Jahr der gemeinsamen Arbeit im Gruppenkantorat mit Jan Simowitsch ist es für mich eine Herausforderung, mit »Maria« als Dirigent ein Großwerk zu leiten, für das es so richtig keinen Gattungsnamen gibt. Hinsichtlich des Umfangs und des Aufwandes gehört das Werk klar in den Bereich Oratorium, musikalisch-stilistisch bestimmen Elemente des Jazz, des Gospels und ein wenig aus dem klassischen Musikbereich das Bild. Für mich ist es absolutes Neuland, ein Werk dieser stilistischen Vielfalt zu leiten und zu dirigieren. Das Joint-Venture-Projekt mit dem eingespielten Team (Johannes Hoffmann und Jan Simowitsch) nun durch einen klassisch ausgebildeten Kirchenmusiker zu ergänzen, bringt stilistisch und musikalisch neue Ansätze und Fragestellungen für alle Beteiligte mit sich.

Für mich als Dirigent erweitert sich das Betätigungsfeld um zwei Bereiche, die ich in die musikalische Gestaltung aufnehmen und in die musikalische Grundidee des Werkes einbeziehen muss:
- Szenische Aufführung
- Einbeziehung improvisatorischer Elemente

Durch die beiden erweiterten Bereiche wird die Aufführung jedes Mal ein einzigartiges Werk, das von der Gestaltung aller Mitwirkenden lebt. Ich danke allen für die vielfältige künstlerische Unterstützung, ohne die ich dieses verantwortliche Amt des musikalischen Leiters der Konzerte nicht erfolgreich umsetzen könnte.

Licht und Ton
Frank Golchert
Frank Golchert

Die große Herausforderung bei diesem Projekt ist die Umsetzung szenarischer Beleuchtung unter Einbindung der Kirche in ihrer Gesamtheit. Ziel ist es, den Szenen die notwendige Tiefe zu geben, ohne dabei abstrakt zu wirken, und dem Zuschauer das Gefühl zu vermitteln, mittendrin in der Geschichte zu sein, eben kein Theater, bei dem man auf eine Bühne schaut.

Die Musik und Sprache werden leicht gestützt, um den naturgegebenen Widrigkeiten einer so großen Kirche akustisch entgegenzuwirken und dem Zuschauer bis in die letzte Reihe ein Klangerlebnis zu präsentieren.

Maria

Aufführungen bisher